Ansiedlung zur Zeit der Karolinger

Kaiser Karl der Große gründete nach seinem Sieg über die Awaren im Jahr 796 auf dem Gebiet Pannoniens die Ostmark und holte zu deren Sicherung fränkische und bajuwarische Siedler ins Land. Diese Ansiedlungen wurde später durch seinen Enkel, König Ludwig dem Deutschen, weiter fortgesetzt. Die während des 9. Jahrhunderts gegründeten deutschen Siedlungen waren hauptsächlich in der Gegend des Plattensees und Fünfkirchens (Pécs) konzentriert.

      

Kaiser Karl der Große
Maler: Albrecht Dürer
Quelle: Wikipedia 

 

König Stephan I.
10000 Forint Banknote
Quelle: Wikipedia

 

Die Belagerung Wiens
Maler: Frans Geffles
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Die am Ende des 9. Jahrhunderts einsetzende ungarische Landnahme veränderte grundsätzlich die politische und gleichzeitig auch die ethnische Landkarte in der Pannonischen Tiefebene. Die Ostmark wurde infolge der Angriffe der Ungarn vernichtet. Im ungarischen Fürstentum des 10. Jahrhunderts lebte keine bedeutende deutsche Bevölkerung mehr.

Ansiedlung zur Zeit der Arpaden

Dies änderte sich erst wieder unter dem ersten ungarischen König Stephan I. aus dem Geschlecht der Arpaden, der um 994/995 getauft wurde und um 995/996 die bayerische Prinzessin Gisela, eine Schwester des späteren Kaiser Heinrich II., heiratete.

Um Landwirtschaft, Bergbau, Handwerk und Handel voran zu bringen, aber auch aus verteidigungspolitischen Erwägungen heraus, holte Stephan I. Siedler vorwiegend aus dem Rheinland, aus Mosel-Franken, aus Flandern, Luxemburg, Thüringen und Niedersachsen in sein Reich. Es entstanden die beiden bedeutendsten südostdeutschen Siedlungsgruppen des Mittelalters, die der Zipser (am Fuß der hohen Tatra) und der Siebenbürger Sachsen (im Karpatenbogen).

Für wie wichtig Stephan I. diese Siedler – in seinen Urkunden nannte er sie Gäste (lat. hospites) – hielt, geht aus seinem politischen Testament an seinen Sohn Emmerich hervor:

Die Gäste und Ankömmlinge bringen einen so großen Nutzen, dass sie mit Recht an der sechsten Stelle der königlichen Würde stehen können. (...) Da die Gäste aus verschiedenen Gegenden und Ländern kommen, so bringen sie verschiedene Sprachen und Sitten, verschiedene Beispiele und Waffen mit sich, und all das schmückt das Land, erhöht den Glanz des Hofes und schreckt die Ausländer (...) ab. Weil das einsprachige Land mit einerlei Sitte schwach und gebrechlich ist, befehle ich Dir, mein Sohn, die Abkömmlinge wohlwollend zu unterstützen und in Ehren zu halten, damit sie sich lieber bei Dir aufhalten als anderswo zu wohnen.

Unter der Regierung von Géza II. (1141-1162) kamen weitere 2000 bis 2500 deutsche Siedler nach Ungarn. Die Bevölkerungszahl der Deutschen wuchs in den kommenden Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts durch weitere Kolonisten und durch die natürliche Bevölkerungszunahme.

Die Mongolen kommen

Der Mongolensturm von 1241 setzte dem wirtschaftlichen Aufschwung zunächst einmal ein Ende, bis die Ungarn unter ihrem König Béla IV. den mongolischen Verbänden 1262 erstmals Einhalt boten. Ungarn erholte sich lange nicht von den Zerstörungen und Bevölkerungsverlusten durch die Überfälle der Mongolen.

Wiederaufbau nach dem Mongolensturm

Nach dem Mongolensturm bemühte man sich besonders um Einwanderer, um die verödeten Gebiete wieder zu besiedeln. Die Einwanderer ließen sich zum Beispiel in Pressburg (Bratislava), Ofen (Buda), Pest oder Kaschau (Košice) nieder.
 
Auch die oberungarischen Städte hatten ein deutsches Bürgertum. Für Ofen ist die Herkunft von Bürgern aus Regensburg, Nürnberg, oder Bamberg nachgewiesen. Deutsche Bürger nahmen in Ofen sogar eine dominierende Stellung in der Politik ein. Sie lebten im Viertel um die Liebfrauenkirche (die heutige Matthiaskirche). In Pest existierte eine deutsche Metzgerzunft. Dies vertiefte die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn. Eine frühe Führungsrolle nahm Regensburg ein, von wo Ofenkacheln nach Ungarn verkauft wurden. Für den ungarischen Rinderexport war Nürnberg ein wichtiger Umschlagplatz.

Politisches und wirtschaftliches Erstarken der Städte

Im Jahr 1402 erteilte König Sigismund den Städten Bartfeld (Bártfa), Leutschau (Löcse), Tyrnau (Nagyszombat), Preßburg (Pozsony) und Ödenburg (Sopron) das Stadtrecht und ihren Bürgern das Recht des Freihandels auf dem Gesamtgebiet Ungarns .

1405 wurde das deutschsprachige Gesetzbuch der Stadt Ofen (Buda) zusammen gestellt, in dem Elemente des Magdeburger Rechtes, die Privilegien, die Satzungen, die Zunftordnungen und zum Teil das Gewohnheitsrecht der Stadt zusammen gefasst wurde. Dieses Gesetzbuch wurde dann zu einem landesweit befolgten Modell.

Dank ihrer Entwicklung bauten die Städte neben der wirtschaftlichen Führungsposition auch ihre politische Macht aus und konnten ab 1430 auch an den Versammlungen der Stände, an den späteren Ständetagen teilnehmen. Neben den Städten nahmen auch die Marktflecken eine schwungvolle Entwicklung.

Die Türken dringen in Ungarn ein

In der Entwicklung der ungarländischen Städte bedeuteten die Einfälle der Türken, die am Ende des 14. Jahrhunderts begannen und vom 15. Jahrhundert an immer häufiger wurden, einen Bruch. Die Streifzüge der Türken bedrohten vor allem Südungarn und Siebenbürgen.

 

      

Johann Zápolya
Maler: Erhard Schön
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Kaiser Ferdinand I. von Habsburg
Maler: Hans Bocksberger d. Ä.
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König Ludwig II.
Maler: Hans Krell
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Nach der verlorenen Schlacht von Mohács am 29. August 1526, bei der Ungarns König Ludwig II. ums Leben kam, erleichterte der darauf folgende 12-jährige ungarische Bürgerkrieg zwischen Johann Zápolya (Wojwode von Siebenbürgen, am 16. Oktober 1526 in Tokaj von einer Ständeversammlung zum König gewählt) und dem späteren Kaiser Ferdinad I. von Habsburg (am 16. Dezember 1526 in Preßburg von einer anderen Ständeversammlung zum König gewählt) den Türken, Ungarn unter ihre Kontrolle zu bringen - zumal Johann Zápolya seit August 1526 Vasall der Türken war und von diesen als ungarischer König anerkannt wurde.

Ungarn wird geteilt

Am 24. Februar 1538 wurde zwischen den verfeindeten Parteien der Friede von Großwardein geschlossen, in dem vereinbart wurde, dass die von Johann Zápolya besetzten Gebiete nach dessen Tod an den rechtmäßigen König Ferdinand fallen sollten. Unter Bruch dieser Vereinbarung wurde jedoch 1540 Zápolyas Sohn Johann Sigismund zum König gekrönt.

1541 besetzten die Türken Ofen (Buda) und Südungarn und machten dieses zur osmanischen Provinz. Ungarn war jetzt geteilt. In Mittel- und Südungarn herrschten jetzt die Türken, Siebenbürgen stand in Vasalität zum osmanischen Reich und in West-Ungarn (West- und Mittelslowakei, Burgenland und Kroatien) herrschte Ferdinand I.

Für die nächsten 150 Jahre sollte diese Teilung Ungarns andauern.

Migrationen während der Türkenzeit

Die offenen Ackerbaugebiete der fruchtbaren Lößhügellandschaften Transdanubiens (Gebiete westlich und südlich der Donau) boten den Bauern wenig Schutz vor herumziehenden und marodierenden türkischen (und der in ihrer Armee dienenden serbischen und tartarischen) Soldaten. Sie zogen sich in weniger fruchtbare Gegenden zurück. In die Wälder der Mittelgebirge und in die Überschwemmungsgebiete. Damit einher ging auch die Veränderung der Landwirtschaft. Nicht mehr Ackerbau, sondern Viehwirtschaft und Obstanbau wurden jetzt die Lebensgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung.

Neben dem Ausweichprozess der ungarischen Bevölkerung nach Norden und Westen, verlief nahezu gleichzeitig ein Migrationsprozess südslawischer Völker in die frei werdenden Gebiete Ungarns. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war ein Großteil der südungarischen Bevölkerung südslawischer Abstammung – oder raitzisch, wie die südslawischen Gruppen genannt wurden. Diese raitzische Nord-Süd-Wanderung wurde von den Türken gefördert. Serbische Bauern unterstützten und versorgten die osmanische Armee.

Das Ende der Türkenherrschaft

Das Ende der Türkenherrschaft in Ungarn wurde mit der Beendigung der Zweiten Türkenbelagerung Wiens am 12. September 1683 mit der Schlacht am Kahlenberg durch das Entsatzherr des polnischen Königs Jan III. Sobieski und des Herzogs Karl von Lothringen eingeläutet.

   

Karl von Lothringen
unbekannter Maler
Quelle: Wikipedia

 

Jan II. Sobieski
Maler: Jerzy Siemiginowski-Eleuter
Quelle: Wikipedia

In mehreren Schlachten gelang es der kaiserlichen Armee schließlich in den nächsten drei Jahren bis Ofen (Buda) vorzurücken und dieses am 2. September 1686 einzunehmen.

Situation nach der Befreiung von Ofen

Das zwischen Raab, Donauknie und Plattensee gelegene ungarische Mittelgebirge bot laut zeitgenössischer Berichte nach dem Abzug der Türken ein Bild totaler Verwüstung und war beim Vormarsch der kaiserlichen Heere weitestgehend entvölkert. Die noch bestehenden Siedlungen waren auf einen Bruchteil ihrer Einwohnerschaft geschrumpft, und selbst die größeren Städte wie Ofen (Buda) hatten hohe Bevölkerungsverluste hinnehmen müssen. Von den deutschen dörflichen Siedlungen hatte allein Deutsch Pilsen die türkische Besatzung überstanden.

 

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