... etwas Besseres als den Tod findest Du überall ...

An solch einen ähnlichen Satz mögen viele Auswanderer gedacht haben. Leibeigenschaft, schlechte Ernährungslage und Hungersnöte, wirtschaftliche Schwierigkeiten im Handwerk, religiöser Unfrieden und Kriegswirren kennzeichneten die Lebensumstände weiter Teile der Bevölkerung im 18. Jahrhundert. In vielen Menschen reifte daher der Wunsch ihre Heimat zu verlassen.

Nachfrage trifft Angebot

Sowohl die Wiener Hofkammer, wie auch die Grundherren selbst begannen nach dem Rückzug der Türken, sich um die Neubesiedelung der entvölkerten Landstriche Südosteuropas zu bemühen. Die Impoulation vollzog sich sowohl als planmäßige Ansiedlung durch die Wiener Hofkammer, wie auch durch Einzelaktionen adeliger Grundherren für ihre verwaisten Güter.

Sowohl im Auftrag kaiserlicher Amtsstellen, wie auch privater Grundherren zogen Werber aus um Siedler anzuwerben. Diese Werber atbeiteten meist auf Erfolgsbasis. Sie wurden nach der Zahl der angeworbenen Familien bezahlt. Die Werber waren redegewandte Männer, die einen Spürsinn dafür hatten, herauszufinden, wo die Menschen der Schuh drückte, um ihnen sogleich die Zukunft in der möglichen neuen Heimat in den schönsten Farben auszumalen. So versprach zum Beispiel Joseph Anthoni Vogl (Vorsitzender einer Kommission zur Anwerbung von Auswanderern) in seinem Werbepatent vom 30. Septenber 1736

Werbepatent des Joseph Anthoni Vogl
Quelle: Buch "Die Donauschwaben"

  • eine kostenfreie Fahrt bis nach Temeswar;
  • in fruchtbaren Gebieten mehr Land als es selbst die reichsten Bauern in Deutschland nicht haben,
  • ein Haus, Wagen, Pflug und Egge, 4 große Ochsen, 2 Pferde, 4 Kühe, 4 Kälber, 1 Zuchtschwein sowie Nahrung bis zur ersten Ernte im Gesamtwert von 200 Gulden;
  • fünf Jahre Steuerfreiheit für jeden, der sich diese Dinge selbst anschafft.

Die Werber waren den potentiellen Aussiedlern auch behilflich, die bestehenden bürokratischen Hürden zu überwinden. Sie erteilten Ratschläge, wie sich die Aussiedler aus der Leibeigenschaft befreien, aus der Grundherrschaft loskaufen und die notwendigen Auswanderungsbewilligungen erlangen konnten. Für viele des Lesens und Schreibens unkundige Menschen der damaligen Zeit war dies eine unschätzbare Hilfe.

Die Lust zur Auswanderung wurde schließlich so groß, dass sich die Landesherren zu Gegenmaßnahmen gezwungen sahen. Sie erließen für ihre Territorien Auswanderungsverbote.

Die Werber waren dennoch sehr erfolgreich. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert haben weit über 300 000 Menschen den Westen und Südwesten Deutschlands verlassen.

Über 200 000 Personen zogen nach Ungarn:

  • 85 000 in den Banat,
  • 35 000 in die Batschka,
  •   7 000 nach Sathmar,
  • 15 000 nach Syrmien und Slawonien,
  • 30 000 in die Schwäbische Türkei und
  • 35 000 ins Ofener Bergland.

Diese Menschen waren jedoch keine Auswanderer in unserem heutigen Sinne. Sie blieben bis zum 6. August 1806 (Niederlegung der Reichskrone durch Kaiser Franz II.) nach wie vor Untertanen des gleichen Kaisers des Sacrum Romanum Imperium - des Heiligen Römischen Reiches

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