Flucht westwärts 

Die erfolgreiche Offensive der Roten Armee führte am 23. August 1944 in Rumänien zum Sturz des faschistischen Regimes unter Ion Antonescu und zum Frontwechsel Rumäniens, das 1940 dem Dreimächtepakt beigetreten war. In der Folge geriet Rumänien, wie der gesamte ostmitteleuropäische Raum unter die Kontrolle der Sovjetunion. Etwa 15.000 Deutschen aus Rumänien gelang im Spätsommer und Herbst 1944 noch die Flucht westwärts. Für die im rumänischen Banat verbliebenen Donauschwaben änderten sich die Lebensumstände jedoch grundlegend.

Deutsche Schulen werden geschlossen

Im Zeitraum 1944 bis 1955 waren die Deutschen unter allen Bevölkerungsteilen Rumäniens am stärksten von gruppenspezifischen Repressalien und diskriminierenden Maßnahmen betroffen. Zunächst wurden alle Dienststellen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien geschlossen. Mit Ausnahme der Schulen des Notre-Dame-Ordens hörte das deutsche Schulwesen auf zu bestehen. Die deutschen Kinder mussten Schulen mit rumänischer Unterrichtssprache besuchen.

Deportation nach Russland

Im Januar 1945 wurden etwa 45.000 Banater Donauschwaben nach Russland zur Zwangsarbeit deportiert. Betroffen davon waren Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren und Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren. Etwa 7.000 Deportierte überlebten die Umstände in den sovjetischen Zwangsarbeitslagern nicht.

Agrarreform und Enteignung

Am 23. März 1945 trat das Gesetz zur Agrarreform in Kraft. Dieses Gesetz bildete die Grundlage für die vollständige Enteignung der deutschen Bevölkerung auf dem Lande. Alle Felder, Häuser, Nutztiere, landwirtschaftliche Geräte, Maschinen, Lebensmittel und das Inventar der Häuser waren von der Enteignung betroffen. Ab 1949 erfolgte dann die Zwangskollektivierung der gesamten rumänischen Landwirtschaft, die erst 1962 als abgeschlossen gelten konnte.

Rumänien wird kommunistisch

Mit der Absetzung König Mihai I. begann am 30. Dezember 1947 die Umformung Rumäniens nach kommunistischen Vorstellungen. Gheorghe Gheorghiu-Dej wurde der bestimmende Mann der neu ausgerufenen Volksrepublik Rumänien.

Schulreform 1948 und 1959

Für die deutsche Bevölkerung in Rumänien brachte die Schulreform vom 3. August 1948 einen bedeutenden Wandel im Schulwesen. Zwar wurden alle Schulen verstaatlicht, aber es wurden auch Staatsschulen (Volksschulen, Lyzeen) mit eigener Schulleitung gegründet, in denen alle Fächer in deutscher Sprache unterrichtet wurden. Die rumänische Sprache wurde als Pflichtsprache eingeführt. Mit der Schulreform von 1959 wurden schließlich alle selbständigen deutschen Schulen zu Abteilungen an rumänischen Schulen. Es sollte fortan rumänisch gesprochen werden.

Deportation in die Bărăgan-Steppe

Am 19. Juni 1951 wurden etwa 40.000 Banater Schwaben und Angehörige anderer Nationalitäten aber auch Rumänen aus etwa 200 Ortschaften in einem etwa 25 km breiten Streifen entlang der Jugoslawischen Grenze in die Bărăgan-Steppe deportiert. Betroffen davon waren Personen, die als politisch unzuverlässig angesehen wurden. Dies waren in erster Linie Großbauern, Gastwirte und ehemalige Angehörige der Waffen-SS und Verwandte von Grenzflüchtlingen. Aufgrund des Zerwürfnisses zwischen Stalin und Tito wurde Jugoslawien als "Feind" und der betroffene Personenkreis als "unzuverlässig" weil potentiell von Tito beeinflussbar angesehen. Also entfernte man sie aus der Grenzregion.

 

Deportierte Banater in der Bărăgan-Steppe
Quelle: Landsmannschaft Banater Schwaben e.V.

 

Als geeigneten Lebensraum für die Deportierten wurde die Bărăgan-Steppe ausgewählt, eine Tiefebene im südöstlichen Teil Rumäniens, gekennzeichnet durch trockene heiße Sommer und Winter mit Dauerfrost und Schneestürmen.

Die Deportierten wurden mit über 6.200 Güterwaggons in die Bărăgan-Steppe verfrachtet und mehr oder weniger auf freiem Feld wieder ausgeladen. Da keinerlei Unterkünfte vorhanden waren, mussten die Deportierten monatelang ohne Dach über dem Kopf in der Steppe leben, bis sie sich schließlich mit selbst hergestelltem Material ihre Häuser bauen konnten.

Ab 1956 durfte die Mehrheit der Deportierten, mit Ausnahme "ehemaliger Großgrundbesitzer und Spekulanten" wieder in ihre Heimatdörfer zurück. Dort fanden sie ihre Häuser aber häufig besetzt vor.

Die Banater Schwaben kehren nach Deutschland zurück

Als Folge des Zweiten Weltkriegs, durch Flucht und Deportation wurden viele Banater Familien getrennt. Die gewachsenen dörflichen Gemeinschaften waren zerstört, die städtische Mittelklasse kaum mehr existent. Die soziale Deklassierung, der Verlust eines Identitätsgefühls, begründet durch die zunehmende Isolierung vom deutschen Kultur- und Sprachraum, ließ in vielen Banater Donauschwaben den Entschluss reifen, der alten Heimat den Rücken zu zu kehren und in den "goldenen Westen", vor allem nach Deutschland zu gehen.

Die Familienzusammenführung bot sich als Möglichkeit dazu an. Das zahlenmäßige Ausmaß der Abwanderung der Donauschwaben aus dem Banat fällt bis Ende 1977 allerdings kaum ins Gewicht.

Helmut Schmidt und Nicolae Ceausescu
Quelle: Romanian Communism Online Photo Collection, ID44724X5179X5732

Dies änderte sich im Januar 1978. Während ihrer Begegnung am 6. und 7. Januar 1978 wurde zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Rumäniens Staats- und Parteichef Nicolae Ceauşescu eine Vereinbarung getroffen, wonach Rumänien sich verpflichtete, jährlich zwischen 12.000 und 16.000 Deutschen die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland zu gestatten. Im Gegenzug sagte der Bundeskanzler die Zahlung eines Pauschalbetrags (anfangs 5 000 DM, später 7 800 DM) pro Aussiedler zu.

1950 befanden sich etwa 29.000 Banater und Sathmarer Donauschwaben aus Rumänien in der Bundesrepublik oder der DDR. Von 1950 bis 1989 wurden 242.000 Aussiedler aus Rumänien in der Bundesrepublik registriert. Als die Bürger Rumäniens 1989 nach dem Zusammenbruch des Kommunismus die Freiheit zum Verlassen des Landes erlangten, verließen innerhalb von sechs Monaten 111.150 Deutsche Rumänien.

Heute bilden die Deutschen im rumänischen Banat nur mehr eine verschwindende Minderheit. Bei der letzten Volkszählung 1992 war ihr Bevölkerungsanteil im Kreis Temesch nur mehr bei 3,8%, im Kreis Arad nur mehr bei 1,9%. Im Jahr 1920 lag der Bevölkerungsanteil der Donauschwaben im rumänischen Banat noch bei 76,4%. 

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