Donauschwaben fliehen aus der Batschka 

Nach dem Fall Belgrads am 20. Oktober 1944 stand das Gebiet nördlich der Donau und Sawe bis zu einer nordsüdlich verlaufenden Linie von Esseg nach Brčko unter russischer Besetzung. Während schätzungsweise 90.000 Donauschwaben aus Syrmien und Slawonien im Oktober 1944 noch rechtzeitig evakuiert wurden, war dies in der Batschka und dem jugoslawischen Banat nicht mehr möglich. Erst am 8. Oktober 1944 erging ein Fluchtaufruf der Volksgruppenführung an die Donauschwaben der Batschka und Baranja. Immerhin konnten so noch 120.000 Donauschwaben in Sicherheit gebracht werden.

Donauschwaben auf der Flucht vor der Roten Armee
Quelle: Bildband "Bilder aus Werbaß"

Ungefähr 170.000 – 180.000 Donauschwaben blieben unter sowjetischer Militärverwaltung und jugoslawischer Partisanenherrschaft in den alten Siedlungsgebieten der Batschka und des jugoslawischen Banats zurück.

Donauschwaben zu Volksfeinden erklärt

Am 21. November 1944 fasste der AVNOJ (Antifaschistischer Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens), dem der Führer der jugoslawischen Kommunisten Jozip Broz Tito seit dem 29. November 1943 vorstand, in Belgrad einen Erlass, wonach die Deutschen enteignet, zu Volksfeinden erklärt und ihnen die staatsbürgerlichen Rechte aberkannt wurden. Am 6. Februar 1945 wurde dieser Erlass in die Gesetzgebung der Republik Jugoslawien übernommen.

Die AVNOJ-Beschlüsse wurden den Deutschen in der Batschka und im serbischen Banat nicht bekannt gegeben. Die deutsche Bevölkerung musste die Konsequenzen daraus tragen, ohne von den Bestimmungen etwas gewusst zu haben.

Bis Ende November 1944 wurden von den Tito-Partisanen rund 7.000 donauschwäbische Zivilisten im Banat, in der Batschka, Baranja und in Ostsyrmien ermordet. Häufig aufgrund persönlicher Racheakte oder aus Gründen, die teils in die Vorkriegszeit zurückreichten, teils durch die Verhältnisse nach 1941 bedingt waren. Unter diesen Umständen hatte sich in manchen Ortschaften das gute nachbarliche Verhältnis zwischen Donauschwaben und Andersnationalen bewährt: im Banat waren es Serben, in der Batschka Madjaren und Serben, die den Donauschwaben solange und so oft als möglich materiell halfen oder als ihre Fürsprecher auftraten.

Jozip Broz Tito
Quelle: Wikipedia

Die Internierung der Donauschwaben

Die allgemeine Internierung aller in ihrer Heimat zurückgebliebenen Donauschwaben setzte im Dezember 1944 ein und wurde im April 1945 abgeschlossen. Die Lager wurden in drei Gruppen eingeteilt: Zentralarbeitslager (vornehmlich für arbeitsfähige Männer), Ortslager (für die gesamte deutsche Bevölkerung einer Ortschaft) und die Konzentrationslager insbesondere in Jarek, Gakovo und Kruschiwil für Arbeitsunfähige (vornehmlich für arbeitsunfähige Frauen, Kinder und alte Männer).

Bis 1948 gab es in Jugoslawien etwa 80 Lager für deutsche Zivilisten.

Deportation nach Rußland

In Jugoslawien begann die Deportation von 27.000 bis 30.000 Deutschen am 25. Dezember 1944. Betroffen davon waren hauptsächlich die Donauschwaben aus der Batschka und dem Banat. Die Deportierten wurden nach 15-20 Tagen Fahrt in Güterwaggons, besetzt mit 30-45 Personen, in Arbeitslager zwischen Charkow und Rostow verbracht. Sie wurden vorwiegend in den Kohlegruben, auf Bauplätzen, Sowchosen und Kolchosen eingesetzt. Schätzungsweise 4.000 bis 6.000 Deportierte starben dabei in der UdSSR. Die Überlebenden wurden ab 1945 wieder abgeschoben. Zuerst zurück nach Jugoslawien, später dann in die DDR.

Völkermord an den Donauschwaben

Bis Ende 1945 verhungert oder verstarben in den jugoslawischen Lagern an Seuchen etwa 24.000 Kinder, Frauen und Betagte in den jugoslawischen Lagern. Bis März 1948 kosteten Hunger und Typhusepidemien weitere 20.000 Todesopfer. Ab Spätherbst 1946 bis Herbst 1947 setzte eine Massenflucht von bis zu 40.000 Donauschwaben aus den Lagern nach Ungarn und Rumänien ein, zum Teil von den bestochenen Lagerleitungen toleriert. Bei dieser Flucht starben weitere 1.960 Donauschwaben.

   

Werbasser Bürger auf der Flucht in Böhmen und bei Baja
Quelle: Bildband "Bilder aus Werbaß"

Mitte März 1948 wurden die Konzentrations- und Arbeitslager in Jugoslawien aufgelöst. Die überlebenden Donauschwaben wurden in vertragliche Arbeitsverhältnisse auf drei Jahre zwangseingewiesen. 1948 lebten noch 56.000 Deutsche in Jugoslawien. Diese konnten sich ab 1952 bis etwa 1960 aus der jugoslawischen Staatsbürgerschaft freikaufen und das Land verlassen.

Inklusive der Wehrmachtssterbefälle betrugen die Kriegs- und Nachkriegsverluste der deutschen Bevölkerung Jugoslawiens über 120.000 Personen. Etwa 44.000 Menschen kamen in den Lagern ums Leben. 9.500 Personen starben auf der Flucht oder in der Verschleppung.

In Folge der Kriegseinsätze oder in Kriegsgefangenschaft verloren 29.745 Soldaten ihr Leben. Über 36.000 Schicksale sind bis heute noch nicht geklärt.

Exodus aus Jugoslawien

Bis 1968 hatten über 367.000 Deutsche Jugoslawien verlassen (allein aus der Batschka und dem Banat etwa 210 000). Davon sind 267.000 Personen in die Bundesrepublik Deutschland und in die DDR gekommen. Etwa 75.000 Deutsche siedelten sich in anderen europäischen Gebieten an (allein 1948 10.000 in Frankreich). Etwa 23.000 wanderten in Gebiete außerhalb Europas aus.

Im Bereich des ehemaligen Jugoslawien gibt es heute etwa 8.300 Menschen, die sich noch als Deutsche bezeichnen.

Nachbetrachtung

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen definierte in der Resolution 260 (Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes) den Völkermord in Artikel II als „eine der folgenden Handlungen, begangen in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören“:

a) das Töten von Angehörigen der Gruppe
b) das Zufügen von schweren körperlichen oder seelischen Schäden bei Angehörigen der Gruppe
c) die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen
d) die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung
e) die gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe

Bis heute wurde in Serbien weder jemand für die Verbrechen an der Deutschen Bevölkerung zwischen 1944 und 1948 zur Verantwortung gezogen, noch gab es seitens der serbischen Regierung ein Wort des Bedauerns oder der Entschuldigung.

 


Fotos aus dem Bildband "Bilder aus Werbaß", herausgegeben vom Werbaßer Heimatausschuß, mit freundlicher Genehmigung der Waldenbucher Druckerei GmbH. 

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