Prof. Dr. Jakob Bleyer

 

* 25. Januar 1874 in Tscheb/Batschka (heute Čelarevo, Serbien)

† 5. Dezember 1933 in Budapest


Die Südostdeutsche Landsmannschaft Geretsried e.V. und die Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn haben zu Ehren des donauschwäbischen Professors  in Geretsried (Ecke Maiglöckchenweg-Tulpenstraße) einen Gedenkstein gestiftet.

                                                                                                                   

 Gedenkfeier in Geretsried

   

Einweihung des Gedenksteins
am 28. Juni 1970

 

Gedenkfeier am 23. November 2013
anläßlich des 80. Todestages


Wer war Jakob Bleyer ?

Jakob Bleyer studierte Germanistik und ungarische Philologie in Budapest, München und Leipzig und lehrte ab 1911 als Professor für Germanistik an der Universität Budapest, deren Germanistische Seminar er gegründete.

Bereits 1917 veröffentlichte er den programmatischen Aufsatz „Das ungarländische Deutschtum“, in dem er kulturelle Rechte für die „Schwaben" einforderte.

Er erkannte aber schon frühzeitig, dass er seine Ziele mit wissenschaftlichen und schöngeistigen Reden nicht erreichen wird können. Er engagierte sich in der Politik. Zunächst  in den Nachkriegsjahren 1918 und 1919 politisch gegen den Kommunismus. Später wurde er Mitglied der Partei der Nationalen Einheit und schließlich zwischen dem 15. August 1919 und dem 16. Dezember 1920 wurde Bleyer Minister für nationale Minderheiten. Jetzt hätte er endlich die Gelegenheit gehabt, seine Ideen von einer donauschwäbischen Doppelidentität und seine liberalen Ideen von einer Minderheitenpolitik, in der Donauschwaben und Ungarn gleichberechtigt und in Eintracht miteinander leben, durchsetzen können.

Nach Trianon war in  Ungarn von liberalem Gedankengut  keine Rede mehr. Ungarn hatte durch den Friedensvertrag von Trianon  2/3 seines Teitoriums an seine Nachbarn verloren. Der ungarische Nationalismus steigerte sich daraufhin zum Chauvinismus.

Jakob Bleyer reagierte, indem er im Januar 1921 das „Sonntagsblatt für das deutsche Volk in Ungarn“ gründete, das einzige deutschsprachige Wochenblatt des Landes, das binnen kurzer Zeit zur wichtigen Interessensvertretung der Ungarndeutschen wurde.

Am 22. Juni 1923 erließ die ungarische Regierung eine neue Sprachverordnung, die den Minderheiten zwar den freien Gebrauch der Muttersprache in der Schule und im öffentlichen Leben sowie die freie kulturelle Betätigung zusicherte. Die Verordnung war jedoch das Papier nicht wert auf dem sie stand, weil sich die ungarischen Lokal-, Schul- und vor allem Kirchenbehörden nicht daran hielten, sonder vielmehr die sprachliche Assimilation forcierten.

Drei Wochen später, am 15. Juli 1923, gründete Jakob Bleyer den „Ungarländischen Deutschen Volksbildungsverein“ (UDV), dessen Geschäftsführer er bis zu seinem Tode blieb. Aber obwohl diese kulturelle Organisation staatlich genehmigt war, wurde sie an ihrer Tätigkeit durch die Regierungs- und Verwaltungsorgane gehindert. So waren im Volksbildungsverein lediglich 2,5 Prozent der ungarndeutschen Bevölkerung organisiert.

Trotz all seiner Bemühungen das Deutschtum im ungarischen Nationalstaat durch bewusste Volkstums- und Kulturpflege geistig zu sammeln und die garantierten Minderheitsrechte vor allem im Schulwesen zu verteidigen, bekannte er in einem Brief, dass seine auf eine Doppelidentität abzielende Minderheitenpolitik wegen des magyarischen Chauvinismus’ in eine Sackgasse geraten sei.

Sechs Monate vor seinem Tode meldete sich Jakob Bleyer, am 9. Mai 1933, auf einer Sitzung des ungarischen Parlaments im Namen der ungarndeutschen Minderheit noch mal zu Wort. Er erhob seine Stimme gegen die sich verstärkende Assimilierungspolitik der ungarischen Regierungen, in deren Folge sich die Zahl der Ungarndeutschen zwischen 1920 und 1930 um fast 100.000 Seelen verringert hatte.

Scharf kritisierte Bleyer in seiner Rede, dass die deutsche Muttersprache in den Volksschulen mit Hilfe der Komitatsorgane und der katholischen Kirche immer mehr zurückgedrängt würde, so dass etwa 70 Prozent der ungarndeutschen Jugend nicht einmal halbwegs deutsch lesen und schreiben könnten. Die deutsche Muttersprache würde in den Ämtern und Behörden, trotz der gültigen Sprachverordnung, nicht verwendet; der Tätigkeit der von der Regierung genehmigten kulturellen Organisation der Ungarndeutschen, des „Ungarländischen Deutschen Volksbildungsvereins“, würden lähmende Hindernisse in den Weg gelegt.

Die zum ungarischen Staat stets loyale deutsche Minderheit, erklärte er, habe aufgrund des Sankt-Stephans-Gedankens – wonach alle Völker gleichberechtigte Untertanen der ungarischen Krone seien – das Recht auf die freie Entfaltung einer sprachlich-kulturellen Doppelidentität.

Bleyers Parlamentsrede rief in nationalistischen und rechtskonservativen Kreisen und in der Budapester Studentenschaft eine Hetzkampagne gegen seine Person und die Ungarndeutschen hervor.

In die Geschichte ist Jakob Bleyer als der Politiker eingegangen, der für die ungarndeutsche Doppelidentität wie kein Anderer kämpfte.

Bezeichnend für sein Lebenswerk ist folgender Satz von ihm:

„Niemand kann sein Deutschtum oder Ungartum mehr lieben als ich […]. Daran ist ganz und gar nichts Perverses […] eben so wenig wie an der gemeinsamen Liebe zu Vater und Mutter. Nie wusste ich, welchen von beiden ich mehr liebe, und mein höchster Wunsch war stets, dass sie in gegenseitiger Liebe und Eintracht leben […].“

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