Das staatlich gelenkte Kolonisationswerk der Habsburger Herrscher ist mit drei Namen verbunden: Karl VI. (1711-1740), Maria Theresia (1740 - 1780) und Joseph II.(1780 - 1790). In deren Regierungszeiten fallen drei große Auswanderungsschübe, die Drei Großen Schwabenzüge, die nach dem Frieden von Pessarowitz (Požarevac) 1718 ihren Anfang nahmen.

 

      

Kaiser Karl VI.
Maler: Francesco Solimena
Quelle: Wikipedia

 

Erzherzogin Maria Theresia
Maler: Martin van Meytens

Quelle: Wikipedia

 

Kaiser Joef II.
Maler: Georg Decker
Quelle: Wikipedia

Diese Schübe entstanden im Wechselspiel von Lebensbedingungen in der alten Heimat und den Lebenschancen in der möglichen neuen Heimat - von den umherziehenden Werbern entsprechend attraktiv dargestellt. Auswanderungswillige waren in den Auswanderungsgebieten jedenfalls ausreichend vorhanden.

Gründe für die Auswanderung

Die meisten Einwohner in den Auswanderungsgebieten, waren, mit Ausnahme der Bewohner der freien Reichsstädte, Leibeigene. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit, "Schollengebundenheit" und eingeschränkte Heiratserlaubnis kennzeichneten die sozialen Lebensbedingungen.

Das Bevölkerungswachstum im 18. Jahrhundert, die fortschreitende Realteilung (Erbteilung), die zu immer kleinerem Grundbesitz führte, die schlechte Ernährungslage der Bevölkerung (Dreifelderwirtschaft - ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche war ungenutzt), und zahlreiche wetterbedingte Missernten mit anschließenden Hungersnöten kennzeichneten die wirtschaftlichen Lebensbedingungen vor allem auf dem Lande. Ein Ausweichen ins Handwerk war kaum möglich. In den Städten blockierten die Zünfte mit ihrem Zunftrecht den Zuzug von Handwerkern. Auf dem Land fehlte das Kapital um Handwerker in ausreichendem Maß zu beschäftigen.

Zu den sozialen und wirtschaftlichen Problemen gesellten sich Ende des 17. bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zahlreiche politische Wirren mit entsprechenden Kriegslasten für die Bevölkerung - Plünderung durch durchziehende Truppen, Zwangs-Rekrutierungen, Zwangs-Einquartierungen.

  • Es waren noch keine 40 Jahre seit den Verheerungen durch den Dreissigjährigen Krieg vergangen, als Frankreichs König Ludwig XIV. die schwierige Situation, die sich durch die Türkengefahr ergab (1683 Belagerung Wiens) ausnutzte und das Haus Habsburg zu einem Zweifrontenkrieg zwang.
  • 1688-1691 eroberten die Franzosen Offenburg, Heilbronn, Heidelberg und Pforzheim. Von diesen Städten aus unternahmen sie "Versorgungszüge" in ganz Württemberg, teilweise bis Nürnberg, um ihre Armee zu versorgen.
  • Im Spanischen Erbfolgekrieg 1700-1714 wurde Oberschwaben und der Schwarzwald erneut Kriegsschauplatz. Auf ihrem Rückzug verwüsteten die Franzosen ganz Oberschwaben.
  • 1733-1738 plünderten die Franzosen im Krieg um die Erbfolge in Lothringen, nach der Eroberung der Reichsfestung Phillipsburg, die ganze rechtsrheinische Seite.
  • 1741-1748 war der Südwesten im Österreichischen Erbfolgekrieg erneut Kriegsschauplatz, besonders in der Rheinebene und im Schwarzwald.

Nicht zu letzt waren auch die Glaubensbeschränkungen, denen sich die Protestanten ausgesetzt sahen, Anlass zur Auswanderung. Aber erst ab der josephinischen Ansiedlug (Dritter Schwabenzug) durften auch Protestanten in Ungarn angesiedelt werden.

Für die Menschen des 18. Jahrhunderts gab es genügend Gründe, die widrigen Lebensumstände in der Heimat zu verlassen. Sie wurden getrieben von der Hoffnung, in der Fremde zu Besitz und Wohlstand zu kommen, eine Familie gründen zu können, was ihnen in der Heimat oft verwehrt war, oder vom Drang nach Freiheit und manchmal aus reiner Abenteuerlust.

Als Auswanderungsland bot sich insbesondere Ungarn an. 200 Jahre Krieg und Türkenherrschaft hatten das Königreich Ungarn durch Seuchen, Flucht und Verschleppung, Hunger und Kriegstod entvölkert und verödet. Zum Wiederaufbau wurden dringend Ansiedler benötigt. Das am 7. Mai 1723 erlassene Einwanderungsgesetz für Ungarn ließ dieses Land besonders attraktiv erscheinen,

Sowohl die Habsburger Herrscher, wie auch die ungarischen Land-Adeligen unternahmen große Anstrengungen die brachliegenden Ländereien wieder zu besiedeln. Sie warben zunächst in den schwäbischen Bereichen des ehemaligen Vorderösterreichs (das sind die ehemaligen Habsburger Besitzungen im heutigen südlichen Baden-Württemberg, in Schwaben, im Elsass, in der Schweiz und im französischen Departement Territoire de Belfort) um Siedler. Bald aber auch in der Rheinpfalz, in Hessen, Franken, Bayern, Lothringen, Luxemburg und in Innerösterreich selbst.

Die einheimische Bevölkerung nannte die Ansiedler Schwaben (ung. svabok). Dabei mag die Stadt Ulm als wichtigster Ausgangspunkt der Ansiedlung eine Rolle gespielt haben. Die Mehrheit der Ansiedler kam jedoch aus dem Herzogtum Lothringen (ca. 25%), aus dem Kurfürstentum Pfalz (11%) und aus dem Elsass (8%). Ethnische Schwaben hatten nur einen Anteil von ca. 10%.

Der Begriff Donauschwaben wurde erst 1920 geprägt (vom Historiker Dr. Hermann Rüdiger und dem Geographen Robert Sieger). Es sollte ein Sammelbegriff für die in die Pannonische Tiefebene eingewanderten Deutschen (aber auch Franzosen, Spanier und Italiener) gefunden werden. Der Begriff Donauschwaben ist daher weniger kulturell-historisch denn wissenschaftlich zu betrachten.1930 wurde dieser Begriff durch das Deutsche Außenministerium der Weimarer-Republik bestätigt. Die Donauschwaben wurden dadurch als deutsch stämmig anerkannt.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die deutschsprachige Bevölkerung Ungarns auf 1,3 Millionen Menschen angestiegen. 

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