Die Siedlungsperiode von 1763 bis 1772 während der Regierungszeit der Erzherzogin Maria Theresia (1740 bis 1780) gilt als die Zeit des Zweiten Großen Schwabenzugs. Eine aktive Siedlungspolitik verfolgte Maria Theresia aber schon von Beginn ihrer Regentschaft an.

Erzherzogin Maria Theresia
Maler: Martin van Meytens
Quelle: Wikipedia

Frühtheresianische Ansiedlung im Banat

Während der frühtheresianische Ansiedlung (1746-1752) war die Wiener Hofkammer bestrebt, den Bergbau und die Viehzucht im Banat zu fördern. Durch den Verlust Schlesiens nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-1748) gewann der Banat eine neue Bedeutung als Rohstofflieferant und als Grenzgebiet.

Durch die Aussendung von Werbern unter der Leitung von Graf Ferdinand Kolowrat nahm die Ansiedlung wieder Schwung auf. Der mit einem amtlichen Werbepatent ausgestattete Werber Johann Oswald brachte allein im Juni 1748 290 Personen aus Lothringen nach Wien, die von dort aus nach Temeswar weitergeleitet wurden. Auf einer zweiten Werbereise brachte er 1749 nochmals 900 Personen aus Lothringen nach Wien, die daraufhin in Beschenowa, Temeswar und Tschanader untergebracht wurden.

Die Ansiedlung deutscher Familien im Zeitraum von 1752 bis 1763 war gekennzeichnet durch organisatorische Mängel, einer fehlenden Abstimmung zwischen den zuständigen Stellen in Wien und Temeswar, aber auch durch menschliche Probleme eines Teils der Ansiedler. Im Zeitraum von 1752 bis 1763 wurden nur 299 deutsche Familien im Banat angesiedelt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Ansiedler ging an Krankheit und Not zugrunde oder wanderte wieder ab. Mit dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) kam die Ansiedlung zum Stillstand.

Mit der Beendigung des Siebenjährigen Krieges (15. Februar 1763, Frieden von Hubertusburg) wurde die unterbrochene Ansiedlungspolitik wieder aktuell. Zunächst widersetzte sich jedoch die Banater Landesadministration, da sie eine Umwandlung des Weidelandes in Ackerland und damit eine Gefährdung ihrer Einnahmen aus der Viehzucht befürchtete.

Ansiedlung im Banat während des Zweiten Großen Schwabenzugs

Im Kolonisationspatent vom 25. Februar 1763 erließ die Erzherzogin Maria Theresia die Weisungen, dass Ansiedler in Ungarn, Siebenbürgen oder dem Banat

  • eine 6-jährige Steuer- und Abgabenfreiheit erhalten,
  • unentgeltliche Grundstücke und Holz zum Bauen bekommen,
  • Beistand bei der ersten Aussaat erhalten,
  • als Handwerker eine 10-jährige Freiheit bekommen,
  • angemessene Grundstücke erhalten, wenn sie ihren Dienst bei den Grenztruppen leisten.

Schwerpunkt der Ansiedlungspolitik blieb der Banat. Das bis dahin praktizierte System mit Werbern aus den Reihen der Banater Ansiedler wurde zunächst aufgegeben. Die Anwerbung sollte über Zeitungsanzeigen und Handzettel erfolgen. Grund dafür waren die wachsenden Widerstände der Landesherren und der Bevölkerung im Reichsgebiet.

In den Jahren 1763 und 1764 wanderten insgesamt 992 Familien in den Banat ein. Am 1. Mai 1766 legte eine Hofkommission in einem Bericht dar, dass "bei diesen Ansiedlungsgeschäft die größte Unordnung und Unrichtigkeit (....) angetroffen wurde". Es wurde bemängelt, dass die meisten Siedler sehr arm waren und sich unter ihnen auch ausgesprochen "liderliche" Elemente befanden. Außerdem forderte die Hofkommission "ein vollständiges Regulativum" für die Ansiedlung.

Der Landesadministration wurde daher aufgetragen, den Siedlern ein gutes Unterkommen zu schaffen, ohne Rücksicht auf das Weideland. Jedes Dorf sollte einen Pfarrer und einen Lehrer erhalten. Für je zwei Dörfer sollte ein Chirurg eingesetzt werden.

In Ulm, Köln, Frankfurt und Schweinfurt plante Maria Theresia Kommissariate einzurichten um Ansiedler für Ungarn zu werben. Dieser Plan wurde jedoch nicht verwirklicht. Man war der Meinung, die Ansiedler würden ganz von alleine kommen. Tatsächlich wurde auch so 1766 in Wien die bisherige Rekordzahl von 2 294 Siedlerfamilien mit insgesamt fast 10 000 Personen für den Banat registriert. Im Jahr 1767 folgte weiter 505 Familien, 1768 nochmals 441 Familien und 1769 weitere 781 Familien. Die Hungersnot in Deutschland und Frankreich im Jahr 1770 brachte weitere 3 276 Familien ins Land.

Mit diesem Zustrom war die die Landesadministration letztlich völlig überfordert. Im Dezember 1770 war die Erzherzogin schließlich gezwungen, einen Ansiedlungsstopp zu verfügen, bis die bereits angekommenen Siedler alle untergebracht waren. In den Jahren 1771 und 1772 kamen denn auch nur mehr 1793 Familien in den Banat. Danach ging die Zahl der Siedler drastisch zurück. In den nächsten 4 Jahren wurden nur mehr 52 Familien angesiedelt.

Während der theresianischen Impopulation des Banats wurden nach amtlichen Unterlagen insgesamt 11130 Familien mit zusammen 42 000 Menschen angesiedelt. Zum Vergleich: auf den ungarischen Kameralgütern wurden im selben Zeitraum nur 2 500 Familien angesiedelt.

Impopulation der Batschka

Der Belgrader Frieden vom 18. September 1739 nach dem verlorenen 7. Österreichischen Türkenkrieg bedeutete für das Habsburger Herrscherhaus den Verlust Nordserbiens und der Kleinen Wallachei. Für die Wiener Hofstellen war das Anlass die Siedlungsaktivitäten "lieber auf die durch das syrmische Vorland von der Türkengrenze getrennte Batschka" zu konzentrieren.

Dem Interesse an einer verstärkten Besiedelung der Batschka stand aber zunächst der österreichische Erbfolgekrieg (1741-1748) entgegen, der alle staatlichen Kräfte band. Ab 1744 wurde die Verwaltung der Batscher Kameralgüter wieder an die Ungarische Hofkammer in Preßburg übergeben. Unter deren Präsidenten, Graf Antal Grassalkovich, begann 1748 die intensive Ansiedlung in der Batschka.

Graf Antal Grassalkovich I.
Maler: unbekannt
Quelle: Wikipedia

Ansiedlung in der Batschka vor dem Zweiten Schwabenzug

Graf Grassalkovich wollte als ungarischer Patriot auf das Bevölkerungsreservoir Altungarns zurückgreifen und nur in Zwangslagen ausländiche, vorwiegend deutsche Siedler einsetzen. Die Besiedelung mit deutschen Siedlern begann er 1748 mit der Gründung des Dorfes Bukin an der Donau und ein Jahr später mit Apatin. Aufgrung seiner ausgezeichneten Verkehrslage sollte Apatin zum Stützpunkt ankommender Siedlertransporte werden.

Am 21. Juni 1755 unterschrieb Maria Theresia ein Werbepatent für die Apatiner Bürger Anton Akly und Anton Nuber, in dem interessierten Siedlern versprochen wurde, dass

  • sie sechs Jahre keine öffentlich-rechtlichen und drei Jahre keine grundherrschaftlichen Leistungen zu erbringen haben,
  • auf Staatskosten Kirchen gebaut würden,
  • Bauholz für den Hausbau kostenlos zur Verfügung gestellt wird,
  • Getreide für Ernährung und Saatgut vorgestreckt wird, das erst aus der ersten und zweiten Ernte zurück zu erstatten sei,
  • ein ausreichend großes Stück Land zur Verfügung gestellt wird und
  • keine herrschaftlichen Roboten verlangt würden.

Mit diesem Werbepatent unterwegs gelang es den beiden Werbern in Konstanz, Feldkirch, Rheinfelden und der Grafschaft Hauenstein 107 Familien für die Batschka anzuwerben.

In der Ära des Grafen Grassalkovich wurden in den Jahren 1749 bis 1762 etwa 5000 Familien angesiedelt. Die Hälfte davon waren Madjaren, ein Drittel Slawen, einige 100 slowakische und ruthenische Familen und 1070 deutsche Familien.

Ansiedlung in der Batschka während des Zweiten Großen Schwabenzugs

Im Frühjahr 1763 wurde Baron Anton Cothmann in die Batschka entsandt um die Ansiedlung voranzutreiben, zu organisieren und der Ungarischen Hofkammer in Preßburg Bericht über die Ansiedlung zu erstatten.

Die Impopulation gestaltete Cothmann so, dass durch Landzuweisungen bestehende Dörfer erweitert wurden oder Neugründungen auf Prädien im Landesinneren erfolgten. Insgesamt entstanden so 14 ganz oder überwiegend deutsche Dörfer, gleichmäßig über die ganze West-Batschka verteilt. Die weiteren Einwanderungen bis 1771 wurden nur zur Ergänzung bestehender Ortsschaften verwendet.

Nach Cothmanns Tod 1768 bekamen die Gegner einer weiteren Besiedlung die Oberhand. Mit dem Argument der Prädienerhaltung für die Weidewirtschaft erwirkten sie 1771 die Einstellung der Ansiedlungen.

In den Jahren 1763 bis 1770 wurden für die Besiedlung der Kameralgüter in der Batschka 2 186 Familien ins Land geholt. Weitere 362 Familien siedelten sich auf eigene Kosten an. Etwa 12% aller Siedler gehörten fremden Volksgruppen an (Madjaren, Tschechen und Franzosen). Nicht ganz die Hälfte der deutschen Siedler stammte aus den katholischen Teilen des schwäbischen, oberrheinischen, fränkischen und kurrheinischen Reichskreisen. Etwa 15% der Siedler stammten aus Lothringen, etwa 10% vornehmlich aus Böhmen, Mähren und Österreich.

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