Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts war die Einwanderung deutscher Siedler ins Königreich Ungarn weitestgehend abgeschlossen.

Weitestgehend heißt aber nicht beendet. So wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Batschka noch weitere 7 Orte gegründet - und mit Wekerledorf sogar noch Anfang des 20. Jahrhunderts.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Banat. In einer letzten geschlossenen Ansiedlungsaktion entstanden 1827-1828 die Dörfer Eibental, Frauenwiesen, Schöntal, Schöllersruhe, Sankt Helena und Wolfswiese.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Gemeinde Königsgnad am Rand des Banater Berglandes - 1810 gegründet von Tiroler Bergbauern, die nach der verlorenen Schlacht am Berg Isel (1809) aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Zeitalter der Privatansiedlung

Die nach-josephinischen Ansiedlungen waren vor allem durch Privatansiedlungen geprägt. Die steigenden Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Erzeugnisse - Weizen, Mais, Hanf, Tabak - aus der Batschka und dem Banat erforderten mehr Bauern und Landarbeiter. Im Banat entstanden so durch Privatansiedlung in den Jahren 1780 - 1850 mehr als 40 Dörfer. In manche Gemeinden kauften sich die Siedler regelrecht ein. In der Batschka u.a. in die Kameraldörfer Alt-Werbas und Feketitsch, aber auch in Dörfer anderer Ethnien, z.B. in das vorher rein serbische Dorf Deronje.

Abwanderung der Kolonisten

Nach Ablauf der, bei der Ansiedlung gewährten 10 steuerfreien Jahre, verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation für manche Siedler dramatisch. Auch bedingt durch Missernten der Jahre 1805, 1807 und 1816/17. Viele Siedler entschlossen sich daher zu einer weiteren Auswanderung: nach Südrußland in die Gegend von Odessa. Die Gemeinde Alt-Freudental bei Odessa wurde fast nur mit Einwanderern aus der Batschka, vornehmlich aus Torschau, besiedelt. In den Jahren 1806/07 verließen so 232 Familien wieder das Batser Comitat.

Die Abwanderungsbewegung war nicht nur durch die sich für die nachgeborenen Söhne bemerkbar machende Bodenknappheit verursacht, sondern auch durch durch die Magyarisierungsbestrebungen der ungarischen Regierung, die sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkten.

Die ungarische Revolution

Die revolutionären Bewegungen in Europa des Jahres 1848 führten am 15. März 1848 auch in Ungarn zur Revolution. Der kaiserliche Gouverneur wurde dazu gezwungen, die Forderungen der ungarischen Revolutionäre, wie Pressefreiheit, Aufhebung der Zensur, Abschaffung des Frondienstes, zu akzeptieren. Schließlich wurde eine neue Regierung für Ungarn mit Lajos Batthyány als Premierminister und Lajos Kossuth als Finanzminister gebildet.

Lajos Kossuth
Quelle: Wikipedia

Insbesondere Kossuth forderte immer vehementer die völlige staatliche Trennung Ungarns von der Gesamtmonarchie und die Schaffungeines magyarischen Einheitsstaates: „In Ungarn gibt  es nur eine Nation, die magyarische, alle  anderen sind nur anderssprechende  Volksstämme“.

Mit der Idee eines einheitlichen Nationalstaates konnte sich die ungarländischen Minderheiten jedoch nicht identifizieren, wenn gleich sie die bürgerlich-demokratischen Freiheitsrechte, die König Ferdinand 1848 sanktionierte, begrüßten.

Insbesondere den Donauschwaben ging es unter den nichtmagyarischen Minderheiten weniger um nationale Forderungen als um die bürgerlichen Freiheitsrechte. Vorerst kämpften die Donauschwaben noch nicht für eigene politische oder nationale Ziele. Es fehlte ihnen nach wie vor eine einheitliche Sozialstruktur. Der Großteil des traditionsgebundenen deutschen Bürgertums verhielt sich eher kaisertreu.

Die ungarische Revolution führte letztlich zu den Unabhängigkeitskriegen von 1848/49, die durch das Eingreifen russischer Truppen am 13. August 1849 mit der Schlacht von Világos und der Kapitulation der ungarischen Truppen ein Ende fanden.

Die Bogaroscher Petition von 1849

Erst ab dem Revolutionsjahr 1848 kann man bei den Donauschwaben von einer nationalen Selbstbesinnung auf breiter Basis sprechen. Es kam zu ersten nationalpolitischen Willenskundgebungen von Deutschen im Banat und in der Batschka. Unter dem Eindruck, dass die Serben auch nach dem Ende der Unabhängigkeitskriege an der Forderung einer eigene Woiwodschaft festhielten, wollten jetzt auch die in Südungarn beheimateten Deutschen ein eigenes Oberhaupt.

Am 29. Oktober 1849 übergab der Bogaroscher Pfarrer Josef Novak eine Petition an den Wiener Hof, die von 133 Delegierten aus 30 Banater Gemeinden unterzeichnet war. In der Bogaroscher Petition heißt es dazu: "Wenig würde uns solches Begehren kümmern, wenn nicht eben wir, die Torontaler, Bacser und ein Theil der im Temescher Comitat wohnenden Deutschen einen integrierenden Theil dieser Woiwodschaft ausmachen sollten."  Weiter heißt es: "[...] sollte es Eurer Majestät gefallen, den Serben zur Wahrung ihrer Nationalität einen Woiwoden [...] zu geben; so wagen wir auch demüthigst Gefertigte im Namen Aller Deutschen Gemeinden kniefällig zu bitten: Allerhöchstdieselben möge auch uns, etwa unter dem Namen eines deutschen Grafen [...] ein unmittelbares Oberhaupt einzusetzen geruhen [... ] unter dessen Schutz unsere Angelegenheiten, Gerichtspflege und öffentliche Verwaltung in deutscher Sprache und nach deutscher Sitte behandelt, gepflogen und geleitet werde."

In einer weiteren Petition vom 8. November 1849 wurde dem Kaiser gleich der geeignete Kandidat für einen donauschwäbischen Grafen vorgeschlagen: Carl von Arizi. Dieser Wunsch sollte jedoch nicht in Erfüllung gehen, da er im Widerspruch zu den Vorstellungen des Wiener Hofes für eine Neuordnung der Monarchie stand.

"Goldenes Zeitalter" der Donauschwaben

Im Zuge der Neuordnung eines zentralisierten Gesamstaates nach der ungarischen Revolution von 1848, wurde am 18. November 1849 mit einem kaiserlichen Patent unter dem Namen Serbische Woiwodschaft und Temescher Banat ein eigenes Kronland eingerichtet, das die schwäbischen Kerngebiete im Banat, in Syrmien und in der Batschka umfaßte. Die deutsche Verwaltung dieses Kronlandes verlieh den ansässigen Donauschwaben neue Impulse für ihre wirtschaftliche wie auch kulturelle Entwicklung und bot einen gewissen Schutz vor magyarischen Übergriffen. Die Donauschwaben deiser Region bezeichneten diese Epoche später als ihr "goldenes Zeitalter".

Aber mit Wirkung zum 1. Januar 1861 wurde das Kronland wieder aufgelöst und neuerlich Ungarn zugeschlagen. Die ungarische Komitatsverwaltung wurde wieder errichtet.

Donauschwäbische Landwirtschaft

Während die erste Generation der Donauschwaben Schwierigkeinten wie Seuchen und dem ungewohnten Kontinentalklima trotzen mussten, gelang es der zweiten Generation bereits sich besser auf die neuen Lebensumstände einzustellen. Diese Akkulturation gelang ihnen auf eindrucksvolle Weise. Die Landwirtschaft erlebte dank der großen Anpassungsfähigkeit der Donauschwaben einen spktakulären Aufschwung.

Von den Südslawen erlernten die Donauschwaben den Tabakanbau. Einige deutsche Dörfer stellten komplett auf Tabak um. Schwerpunkt war hier der südwestliche Banat und die Schwäbische Türkei.

   

Beim Tabakschnüren in Birda/Banat
Quelle: HOG Birda

 

Beim Dreschen in Werbaß/Batschka
Quelle: Bildband "Bilder aus Werbaß"

Der Weizen war in allen donauschwäbischen Gebieten das bevorzugte Anbauprodukt. Donauschwäbischer Weizen wurde zu einem Exportschlager aufgrund seies hohen Proteinanteils. Der fruchtbare Boden ließ die Getreidesorten prächtig wachsen. Im Banat lag der Ertrag des Hafers pro Joch um 1880 bereits bei 30 Doppelzentner - im Deutschen Reich nicht einmal bei der Hälfte davon.

Überregionale Bedeutung hatte der Weinanbau im Ofener Bergland und der Schwäbischen Türkei. Als in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts die Nachfrage nach Wein stark anstieg, gab es z.B. in der Schwäbischen Türkei Dörfer, die ihre Weinanbaufläche auf das 20fache vergrößerten. Ebenso flexibel reagierten sie auf die Reblausplage. Sie stellten bis zu 95% ihrer Weinareale auf Anbau von Weizen und Futterpflanzen um.

Da sich Budapest seit den 40er Jahren in rasantem Tempo entwickelte, stellten sich die deutschen Nachbargemeinden rasch auf Milchwirtschaft um. Sie züchteten aus schweizer Rinderrassen das Bonyháder Rind, das mehr Milch lieferte als die Steppenrinder der ungarischen Bauern.

Der Obst- und Gemüseanbau entfaltete sich intensiv im Ofener Bergland ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Tomaten, Melonen und Kürbisse wurden in allen donauschwäbischen Siedlungsgebieten erfolgreich angebaut.

Die donauschwäbischen Bauern praktizierten, im Gegensatz zu den Ungarn, keine Realteilung. Somit wurde die Zerstückelung des Besitzes vermieden. Resultat: Die donauschwäbischen Bauern wurden immer größer und reicher. Durch Kultivierungsarbeit und dem Ankauf von nichtdeutschen Grundbesitz stießen sie auch in die Gemarkungen andersnationaler Nachbargemeinden vor. Die ungarischen und andersnationalen Bauern betrieben zu lange die extensive Weidehaltung und Realteilung und gerieten dadurch zunehmend in einen Rückstand. Der Neid der Nachbarn konnte so nicht ausbleiben.

Während die Donauschwaben nur 5.5  Prozent der Bevölkerung in der pannonischen Tiefebene ausmachten,gehörten ihnen 11,4 Prozent der Weizenanbaufläche und sie erzielten 18,5 Prozent des Ernteertrags.

Das geistige Leben im Dorf

In den verschiedenen Ansiedlungspatenten wurde den Kolonisten zugesichert, dass sie in den neugegeründeten Gemeinden Schulen mit Lehrern ihrer eigenen Volkszugehörigkeit betreiben dürfen. Aber: Lehrer müssen auch bezahlt werden. In den donauschwäbischen Gemeinden war dies aufgrund der erfolgreichen Bauern kein Problem. Anders in den andersnationalen Gemeinden, in denen die extensive Weidewirtschaft gerade einmal das Existenzminimum sicherte.

Bildungswilligkeit und finanzielle Möglichkeiten der Donauschwaben ließen bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts beinahe 90% der Kinder regelmäßig am Unterricht teilnehmen (nicht deutsche Schüler in Ungarn weniger als 37%).

Donauschwaben in den Städten

Um die Jahrhundertwende lebten gut die Hälfte der ungarländischen Deutschen in den Städten. Sie repräsentierten fast ausschließlich das Bürgertum in Ungarn. Da es ihnen aber an Standesbewußtsein fehlte, lehnten sie sich immer stärker an den ungarischen Adel an. Der Assimilierungsprozess des deutschen Bürgertums begann. Durch die Aufhebung der Zünfte kam es schließlich zu einem wirtschaftlchen und gesellschaftlichen Niedergang des städtischen deutschen Bürgertums.

Zwischen Bürgertum der Städte und Bauerntum auf den Dörfern bestand zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur eine lose Verbindung.  Die in die Städte zugewanderten Donauschwaben fühlten sich dem bereits seit dem Mittelalter bestehenden deutschen Bürgertum in den ungarischen Städten enger verbunden als den erst im 18. Jahrhundert zugewanderten Bauern. Eine einheitliche Sozialstruktur der ungarländischen Deutschen konnte so nicht entstehen.

Zuwanderung deutschsprachiger Facharbeiter in die Städte

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Ungarn einen großen industriellen Aufschwung. Allein es fehlte an Facharbeitern. Den entstandenen Arbeitskräftemangel konnte Ungarn allein nicht ausgleichen. So kam es zum Zuzug deutschsprachiger Arbeitskräfte in die Städte, sowohl aus dem ungarländischen Deutschtum, wie auch aus Österreich und Deutschland. Zwischen 1869 und 1900 vervierfachte sich die Zahl der Deutschen in Budapest.

In der Bauindustrie waren um 1890 49% der Dachdecker, 40% der Maurer, 41% der Steinmetze und 24% der Glasbläser deutscher Muttersprache. In der Metallindustrie waren 45% der Gießer, 36% der Dreher und 29% der Klempner deutschsprachig. Die Rolle der deutschen Facharbeiter in Ungarn belegt die Tatsache, dass von etwa 69 Industriezweigen der Wortschatz deutsch ist.

Ähnlich bedeutend war der deutsche Anteil in der Dienstleistung: 55% der Konditoren und 42% der Gastwirte waren deutschsprachig.

Im Zuge des sich verstärkenden ungarischen Nationalismus assimilierte sich das deutsche Bürgertum in den Städten Kern- und Oberungarns in einem Maße, dass es nach 1900 nahe zu keine Rolle mehr spielte. Eine  teils gegenteilige Entwicklung nahm das deutsche Bürgertum in den Städten Südungarns. Grundsätzlich muss aber festgestellt werden, dass die Donauschwaben mit ihrer Assimilierungsbereitschaft, im Vergleich zu den anderen Nationalitäten im Vielvölkerstaat Ungarn, ziemlich alleine standen.

Magyarisierung

Gemäß der Statistik des Königreichs Ungarn von 1843 hatte Ungarn 12,880 Millionen Enwohner. Davon bekannten sich 1,273 (9,9%) Millionen zur Deutschen Sprache und "nur" 4,812 (37,4%) Millionen zur Ungarischen Sprache. Über 53% der Einwohner Ungarns sprachen eine der weiteren 14 Sprachen. Ethnische Ungarn waren somit eine Minderheit im eigenen Land.

Als die magyarische Elite daranging ein modernes Ungarn zu fordern, mit eigener Verfassung mit Grundrechten, einer reformierten Wirtschaft, und einer emotionalen Bindung an die ungarische Nation, verstärkte sich die Assimilierungsbereitschaft der städtischen Donauschwaben immer stärker.

Eine entscheidende Rolle bei der Magyarisierung spielte die katholische Kirche. Ihr oblag in den Städten die Schulaufsicht über Volksschulen und höhere Schulen. Die Kirche sah aber ihre Aufgabe darin, die Kinder ganz im magyarischen Geist zu erziehen. Auf diese Weise wurden viele Söhne des Bauern- und Kleinbürgertums Kernungarns magyarisiert und letzlich im Freiheitskrieg 1848/49 zu Vorkämpfern für das liberal-radikale Magyarentum.

Die große Zäsur setze aber mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 ein. Der Aufbau einer eigenen ungarischen Verwaltung bot den magyarisierten Donauschwaben und dem ungarischen Landadel, der durch die unrentable Bewirtschaftung seiner Güter zunehmend verarmte, eine willkommene Versorgungsmöglichkeit. Zur  Wende ins 20. Jahrhundert  hin waren die mittleren und höheren Verwaltungsstellen eine Domäne der magyarisierten Deutschen. Es waren ihr Fleiß, ihre Bildung, ihre Dienstbereitschaft und ihre politische Biegsamkeit, die es ihnen erlaubte, ethnische Magyaren aus den Ämtern zu verdrängen. Ein magyarisierter Deutscher, August Trefort, war 16  Jahre (1872-1888) als Ágoston Trefort ungarischer Kultusminister, Alexander Wekerle aus Mór war bis 1918 als Sándor Wekerle insgesamt drei mal ungarischer Ministerpräsident.

Die Beherrschung der ungarischen Sprache, gepaart mit einer nationalen, patriotischen Gesinnung war Voraussetzung, um in Ungarn Karriere machen zu können.

Der Grad der Assimilierung war individuelli sehr unterschiedlich. Der Schriftsteller Franz Herzog schrieb seine ersten Novellen in Deutsch. aber erst als Franz Herczeg fanden seine Werke größeren Anklang. 

Radikaler waren die sogenannten Magyaronen. Sie ließen keinen Gelegenheit aus, ihr Magyarentum zu beweisen und leugneten oder verheimlichten ihre wahre Identität, ausgedrückt durch Sprache, Geschichtsbewußtsein und Kultur.

Ein Beispiel für solch einen radikalen Persönlichkeitswandel war Eugen Kremszner. Als Eugen Rákosi gründete er 1891 die Zeitung Budapesti Hirlap, in der er unermüdlich für die magyarische Spracheinheit eintrat.

Georg Mayer magyarisierte seinen Namen 1883 in György Zala und wurde einer der bedeutendsten Bildhauer Ungarns. Nikolaus Eibl magyarisierte zu Miklós Ybl, Erbauer u.a. der königlichen Burg, des alten Parlaments und des Stephansdom. 

Zwischen 1880 und 1910 bekannten sich rund zwei Millionen Menschen neu zum  Ungarntum, darunter 700.000 Juden und 600.000 Deutsche.

Der österreichisch- ungarische Ausgleich 1867

Die militärischen Niederlagen in Solferino (1859) und Königgrätz (1866) schwächten die Habsburgmonarchie in einem Maße, dass sie sich gezwungen sah dem Königreich Ungarn umfangreiche Zugeständnisse zu machen. Die Habsburgmonarchie wurde in ein duales Sttaatsgebilde, die Österreichisch-Ungarische Monarchie, mit zwei unterschiedlichen Staatsgrundgesetzen, umgebaut. Die Außen, Kriegs- und Finanzpolitik blieben gemeinsame Aufgabe.

Franz Joseph I.
Quelle: Wikipedia

Kaiser Franz Joseph wurde schließlich am 8. Juni 1867 zum ungarischen König gekrönt.

Das neue ungarische Staatsgrundgesetz deklarierte fortan das Ungarische zur Staatssprache und verpflichtete alle Einwohner Ungarn zur ungarischen Staatsnation. Das zum Schutz der Minderheiten erlassene Nationalitätengesetz von 1868 garantierte den Gebrauch der eigenen Muttersprache im Schulunterricht, in der Kirche und gegenüber Behörden.

In den Augen der Magyaren waren die Donauschwaben aber keine Minderheit, sondern Ungarn deutscher Abstammung. Daher verschwanden mit dem ungarischen Ortsnamengesetz von 1898 auch die deutschen Ortsnamen.

In den Jahren 1879 und 1883 verabschiedete das ungarische Parlament, in dem die Donauschwaben keine eigenen Volksvertreter hatten, Schulgesetze, die den Gebrauch der ungarischen Sprache auch in den Volksschulen und Gymnasien vorschrieb. Die deutschen Lehrer mussten sich einer ungarischen Sprachprüfung unterziehen.

Das Apponyische Schulgesetz von 1907 verpflichtete schließlich alle Schulen und Kindergärten "in der Seele der Kinder den Geist der Anhänglichkeit an das ungarische Vaterland und das Bewusstsein der Angehörigkeit zur ungarischen NAtion mit Nachdruck zu fördern".

1872 verwendeten 1810 Schulen ausschließlich die deutsche Unterrichtssprache, weiter 957 Schulen gebrauchten 1869 Deutsch zusammen mit einer anderen Sprache. Bis 1910 sank diese Zahl kontinuierlich . Die Deutschen hatten nur mehr 49 eigene Volksschulen. Damit waren sie auf den letzten Platz unter allen Nationalitäten abgesunken.

Versuch einer überregionalen ungarndeutschen Minderheitenpolitik

   

Edmund Steinacker
(1839-1929)
Quelle: Ostdeutsche Biographie

 

Rudolf Brandsch
(1880-1953)
Quelle: Ostdeutsche Biographie

Die beiden Volkstumspolitiker Edmund Steinacker (Donauschwaben) und Rudolf Brandsch (Siebenbürger Sachsen) versuchten gemeinsam eine überregionale ungarndeutsche Minderheitenpolitik aufzubauen. Sie erarbeiteten ein Minderheitenprogramm für die Deutschen im Königreich Ungarn mit den Schwerpunkten:

  • strikte Ablehnung der magyarischen Assimilation, ohne dabei die Loyalität gegenüber der ungarischen Staatsmacht aufzukündigen;
  • Förderung eines deutschen Nationalitätsbewusstseins in Ungarn durch eine verstärkte Presse- und Kulturarbeit;
  • Ausbau eines genossenschaftlichen Agrarsystems nach Vorbild des Deutschen Reiches.

Am 16. Dezember 1900 erschien erstmals das Deutsche Tagblatt für Ungarn. 1906 gründete Steinacker in Werschetz im Banat die Ungarländische Deutsche Partei.

Donauschwaben im Ersten Weltkrieg

Als am 28.Juli 1914 der Erste Weltkrieg, durch die österreichische Kriegserklärung an Serbien, ausbrach, zogen zehntausende donauschwäbische Soldaten, in Verbänden des k.u.k.-Heeres und bei der ungarischen Landwehr Honvéd,  voller Patriotismus in den Krieg. In loyaler Treue zu König und Vaterland. Die donauschwäbischen Eigenschaften, wie Zuverlässigkeit, Einsatzbereitschaft und Zähigkeit zeichneten die donauschwäbischen Verbände aus. Die Heeresleitung setzte diese Verbände folgerichtig an den heikelsten Stellen an der Südfront gegen Italien und an der Ostfront gegen Rußland und Rumänien ein.

Am 3. Oktober 1918 unterzeichnete Österreich-Ungarn in der Villa Giusti bei Padua den Waffenstillstand mit der Entente.

Für die Identitätsbildung der Donauschwaben war der Erste Weltkrieg ein Wendepunkt. Bis dahin hörten sie nur, wie dumm und rückständig die Schwaben seiein, und nur das magyariosche Volk ein großes Volk sei. Jetzt trafen sie an allen Fronten im Osten auf Deutsche: in Polen, in Rumänien und in Rußland. Sie sahen die technische Überlegenheit des deutschen Militärs. Sie entdeckten ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volk in einem Maß neu, wie ihr Minderwertigkeitsgefühl von früher verschwand.

Dieser Stolz der Zugehörigkeit zum deutschen Volk ließ in den jungen Soldaten aber auch in der Zivilbevölkerung ein starkes Nationalgefühl entstehen - das 30 Jahre später im beinahen Untergang der Donauschwaben enden sollte. 

Südostdeutsche Landsmannschaft Geretsried e.V.     office@suedostdeutsche.de