Der durch den Frieden von Pessarowitz wiedergewonnene Banat wurde nicht in das Königreich Ungarn eingegliedert, sondern stand bis 1751 unter der Verwaltung der Wiener Hofkammer und des Hofkriegsrats.

Die Besiedlung, landwirtschaftliche und industriell-kommerzielle Erschließung des nahezu entvölkerten Landes ist untrennbar mit dem Präsidenten des Militägouvernements Banat, Graf Claudius Florimund Mercy, verbunden.

Graf Claudius Florimund Mercy
unbekannter Künstler
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Graf Mercy brachte die Erfahrungen aus der Ansiedlung in seinen Ländereien in der Tolna und Baranya mit. Er wußte um die besondere Eignung der dort angesiedelten "Schwaben". Auf seine Initiative hin setzte ab 1722 die systematische bäuerliche Ansiedlung mit Deutschen im Banat ein. Die Siedlungsperiode von 1722 bis 1734 (Tod Mercys -s.u.) wird heute als der Erste Große Schwabenzug bezeichnet.

Anwerbung der Siedler

Von seinem Werbe- und Speditionsbüro in Worms aus organisierte der banatische Kameralbeamte Franz Albert Craußen ab April 1722 die Anwerbung der Siedler. Von Worms aus zogen seine Werber in den Oberrheinischen Kreis, nach Lothringen, in die Pfalz, nach Baden, Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Nassau und in die Bistümer Worms, Speyer und Straßburg sowie in die Ländereien der Abteien Fulda und Hersfeld.

Bereits im Sommer 1722 konnte Craußen über 300 Familien Richtung Banat abschicken. Von diesen Familien kamen jedoch nur wenige im Banat an, da sie unterwegs von ungarischen Großgrundbesitzern in der Baranya und Tolna abgeworben wurden. Um dies zu vermeiden veranlasste die Wiener Hofkammer jeder über 15 Jahre alten Person eine Reisebeihilfe in Höhe von 1 Gulden 30 Kreuzern auszuzahlen - aber erst beim Eintreffen im Banat.

Widerstand gegen die Aussiedlung

Die Werbeaktivitäten stießen unter den Landesherren der Aussiedlergebiete zunehmend auf Widerstand. Um ihren Verlust an Wirtschaftskraft auszugleichen, forderten die Landesherren Abzugsgelder von den Aussiedlern ein. Oft in einer Höhe, dass der Erlös aus dem verkauften Besitz stark geschmälert wurde. Viele schreckten daher vor einer Auswanderung zurück. Kaiser Karl VI. sah sich zum Handeln gezwungen. Er intervenierte bei den Landesherren, wenn auch nicht mit großem Erfolg.

Kaiser Karl VI.
Maler: Francesco Solimena
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Im Artikel 103 seines II. Dekrets De Impopulatione Regni von 1723 erklärte Kaiser Karl VI., dass "freie Personen jeder Art ins Land gerufen werden, die von jeder öffentlichen Steuer für sechs Jahre zu befreien sind und daß diese Freiheit im ganzen Land verkündet werden kann."

Dem Kaiser war klar, dass es im Banat nicht ausreichte, nur die Grenze zur Türkei militärisch zu sichern, er brauchte auch ein Hinterland mit zahlreichen, wirtschaftstüchtigen und zuverlässigen Bewohnern. Auf Ansiedler konnte er also nicht verzichten.

Am 10. März 1724 stellte die Hofkammer für 1 500 Familien Pässe für den Banat aus, am 10. Juli 1724 weitere drei kaiserliche Pässe für insgesamt 3 000 Familien. Damit war der Höhepunkt der Impopulation unter Mercy erreicht. Unter Karl VI. konnten 46 Siedlungen für 15 000 Siedler errichtet werden.

Ansiedlungsbedingungen

Die Ansiedlungsbedingungen unterschieden sich nicht sonderlich von denen der ungarischen Privatansiedlungen. Die Siedler erhielten zunächst nichts als die Grundstücke. Die Häuser mußten sie selbst bauen, das Wirtschaftsinventar selbst bezahlen. Es wurden zwar bis zu 6 Freijahre gewährt, danach mussten aber die landesüblichen Abgaben und Frondienste geleistet werden. Für die Zeit bis zur ersten Ernte gab es einen Vorschuss an Lebensmitteln und Saatgut, der aber zurückzuerstatten war.

Industrie in Temesvar

Graf Mercy förderte insbesondere den Ausbau von Temeswar, auch im Bereich industrieller Ansiedlungen. Seiden- und Tuchfabriken gehen auf seine Initiative zurück. Die Hanffabriken und Seilereien verarbeiteten den im Land angebauten Hanf (Staatsmonopol) zur Deckung des Landesbedarfs.

Die durch Privatunternehmer gegründeten Manufakturen mußten nach eingetretenen Schwierigkeiten in Staatsbetriebe umgewandelt werden, erwiesen sich aber auch da als finanzieller Fehlschlag. Es fehlte ihnen ein genügend großer Absatzmarkt.

Ansiedlung im Banater Bergland

Die Anfänge des österreichischen Bergbaus und die Ansiedlung deutscher Fachkräfte begann aber bereits nach dem Frieden von Karlowitz.Nach dem Frieden von Pessarowitz setzte etwa zeitgleich mit der ländlichen Ansiedlung auch die weitere Ansiedlung in den Bergwerksorten im Banater Bergland wieder ein.

Für die Facharbeiten wurden deutsche Bergleute benötigt. Diese Fachkräfte (Bergleute, Schmelzer, Köhler, Forst- und Holzfachleute) wurden vor allem in den Bergwerksgebieten Oberungarns, Böhmens, der Steiermark, Kärntens, des Salzkammerguts und Tirols (Schwaz) angeworben. Sie nahmen hinsichtlich ihrer Traditionen, Mundart und Mentalität im Banater Deutschtum eine gewisse Sonderstellung ein, und sie legten die Grundlage für die Entstehung der größten Hütten- und Schwerindustrieregion Südosteuropas.

Die Kupfermine und die Schmelzöfen in Orawitza produzierten 1728 etwa 400 Tonnen Kupfer, die Eisenerzeugung in Bogschan erreichte im Jahr 1725 eine Jahresleistung von 4 500 Tonnen.

Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot

Die unwirtlichen Verhältnisse und die Lebensbedingungen im Banat forderten zu Beginn des 18. Jahrhunderts ihren Tribut. Die Pest, das Sumpffieber (Malaria), das ungewohnte Klima und die schwere körperliche Arbeit forderten viele Opfer unter den Siedlern. Viele Siedler erinnerten sich an den Kolonistenspruch "Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot". Sie wollten unter den gegebenen Umständen weder Erster noch Zweiter sein. Sie verließen den Banat enttäuscht und siedelten sich im Ofener Bergland oder in der Schwäbischen Türkei neu an.

Vorläufiges Ende der Ansiedlung

Mit dem Tod Mercys, er starb am 29. Juni 1734 in einer Schlacht bei Parma in Italien und dem Krieg gegen die Türken zwischen 1737 und 1739 wurde die Ansiedlungstätigkeit im Banat unterbrochen und kam erst während der frühtheresianischen Ansiedlung wieder in Schwung. 

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